Ernährung ist ein wichtiges Thema, das jeden betrifft. Geht es dir manchmal auch so, dass du die Flut an Informationen über Ernährung kaum mehr bewältigen kannst. Hier räumen wir mit den 15 hartnäckigsten Ernährungsmythen auf:

Ernährungsmythen

Thomas Ellrott, ein Mediziner und Spezialist in Sachen Ernährung, weiß genau, was Menschen vom gesunden Genuss abhält: „Ernährungsmythen stören einen vernünftigen Umgang mit Essen“. Hier haben wir die 15 hartnäckigsten Mythen für dich:

1. Spätes Essen macht dick

Viele Diätratgeber empfehlen, nach 18 Uhr nichts mehr zu essen, da eine lange Esspause vom frühen Abend bis zum Frühstück die Fettverbrennung im Körper begünstigen soll. Dafür existiert jedoch kein klarer Beweis. Entscheidend ist nicht der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme, sondern die Kalorienbilanz verteilt über den ganzen Tag.

2. Die Quelle der Kalorien ist egal

Smoothies, Säfte oder Kaffee mit Karamellgeschmack – das alles sind Lebensmittel, die einiges an Kalorien haben, jedoch nicht wirklich sättigen. Feste Lebensmittel sättigen pro Kalorie besser als flüssige. Das Risiko für Übergewicht und Diabetes steigt, wenn ein großer Teil der täglichen Energiezufuhr getrunken und nicht gegessen wird. Denn so steigt die Wahrscheinlichkeit, insgesamt mehr Kalorien als nötig zu sich zu nehmen.

3. Kartoffeln machen dick

Das stimmt so nicht, denn es kommt auf die Verarbeitung an. Salz- oder Pellkartoffeln sind eher kalorienarme Lebensmittel. Pro 100 Gramm haben sie unter 100 Kilokalorien. Ein weiterer Vorteil: Kartoffeln sättigen gut, denn Kartoffelprotein hat einen besonders hohen Sättigungswert. Sind die Knollen allerdings mit viel Fett zubereitet wie bei Bratkartoffeln, Ofenkartoffeln oder Pommes, sollte man vorsichtig sein, denn der Kaloriengehalt kann bis zu sechs Mal erhöht sein!

4. Vorsicht, Eis!

Eis ist selten eine Kalorienbombe, vor allem weil man davon in der Regel nur kleine Portionen isst. Viele Eissorten liegen bei nur etwa 100 Kalorien pro Portion. Früchteeis oder Sorbets schneiden dabei besser ab als Sahneeis.

5. Schokolade macht dick

Hier ist natürlich die Menge entscheidend. Eine spanische Studie mit knapp 1500 Jugendlichen zeigte, dass die Menge an Bauchfett und der Anteil am Gesamtkörperfett der Testpersonen am geringsten war, wenn sie 43 Gramm am Tag aßen, also knapp eine halbe Tafel Schokolade. Ernährungsexperten raten anstatt Vollmilch zu Bitterschokolade, weil sie durch ihren intensiven Geschmack und den hohen Kakaoanteil den Schokoladenhunger rasch stillen kann.

6. Zuckerreduzierte Kekse sind gesünder

Hier muss man sich vor versteckten Kalorien in Acht nehmen! Der reduzierte Zucker wird nämlich häufig durch Zutaten mit ähnlichen Eigenschaften ersetzt, zum Beispiel Fruchtzucker oder Sirup. Das klingt vielleicht gesünder, liefert im Endeffekt aber genauso viele Kalorien.

7. Nur mit strikten Vorsätzen kann man abnehmen

Wenn du dir zu strikte Regeln und Verbote setzt, scheiterst du eher. Und vor allem ist die Gefahr groß, bei ungeplantem Essen das Vorhaben komplett über den Haufen zu werfen. Außerdem wirkt es frustrierend und ist schlecht fürs Selbstbild, denn durch das Scheitern verinnerlichst du Sätze wie „ich habe es schon wieder nicht geschafft“. Außerdem ist die Gefahr von unkontrollierten Essanfällen hoch, bei denen viele Kalorien aufgenommen werden.

8. Biofleisch enthält keine Antibiotika

Egal, ob bio oder vom Discounter – tierische Lebensmittel sind selten komplett frei von Arzneimittelrückständen. Auch in der biologischen Landwirtschaft dürfen Antibiotika verabreicht werden, wenn ein Tier krank ist. Im biologischen Betrieb gelten dann aber strengere Regeln bezüglich der Wartezeiten für Milch oder Fleisch. Das heißt, du findest immerhin weniger Rückstände im Biofleisch.

9. Süßstoffe sind gefährlich

Chemische Süßstoffe wie Aspartam oder Cyclamat wurden viele Jahre lang verdächtigt, Krebs, Kopfschmerzen, Allergien oder Epilepsie auszulösen. Außerdem dachte man, sie würden indirekt Übergewicht fördern, weil ihr Verzehr die Lust nach „richtigem“ Zucker steigere und wir hinterher mehr essen, als wir es ohne das Zuckerersatzmittel getan hätten.

Diese Vermutungen wurden mittlerweile entkräftet, trotzdem gibt es einen Maximalwert, den man nicht überschreiten sollte: Ein 70 Kilogramm schwerer Mensch könnte täglich zum Beispiel mehr als 4,5 Liter Light-Limonade trinken. Durchfall verursachen übrigens nur Zuckeraustauschstoffe wie Xylit oder Isomalt.

10. Fruchtzucker ist gesünder als Haushaltszucker

Haushaltszucker (Saccharose) besteht zur Hälfte aus Fruchtzucker (Fructose) und Traubenzucker (Glukose). Glucose lässt den Blutzucker in die Höhe schnellen, wobei Fruchtzucker kaum darauf einwirkt. Daher dachte man, Fructose sei besser geeignet und gesünder.

Inzwischen haben Forscher festgestellt, dass dies nur für sehr kleine tägliche Mengen zutrifft. Denn Fruchtzucker ist in großen Mengen sogar problematisch: Er kann zu einer Leberverfettung und zu daraus folgender Insulinresistenz führen – der Vorstufe von Typ2-Diabetes. Traubenzucker weißt einen solchen Effekt nicht auf.

11. Zucker macht zuckerkrank

Für sehr hohe Mengen von Fruchtzucker wird dies diskutiert. Forscher aus Potsdam unter Hans-Georg Joost haben in einer Langzeitstudie die Einflussfaktoren der Ernährung auf die Diabetes-Entstehung untersucht: Dabei wurde herausgefunden, dass Fleischverzehr mit einem erhöhten Risiko einher geht, der Verzehr von Vollkornprodukten und Kaffee mit einem niedrigeren. Haushaltszucker hatte keinen Einfluss.

 12. Eier erhöhen den Cholesterinspiegel

Eier enthalten in der Tat viel Cholesterin. Aber: Ungefähr dreiviertel des Cholesterins bildet unser Köper selbst. Der Cholesterinspielgel im Blut ist von Faktoren wie körperlicher Aktivität, Vererbung und Ernährung abhängig. In einer spanischen Studie an rund 14.000 Studierenden, die mehr als vier Eier pro Woche aßen, wurde keine Auswirkung auf den Cholesterin-Spiegel festgestellt. Tierische Fette in Fleisch beeinflussen ihn stärker als cholesterinreiche Lebensmittel wie Eier oder Krustentiere.

13. Konservierungsmittel sind schädlich

Das stimmt so nicht, denn diese Zusatzstoffe sorgen dafür, dass Krankheiten wie Fleischvergiftungen oder Krebserkrankungen durch Ausscheidungsprodukte von Schimmelpilzen verhindert werden. Sie stehen allerdings im Verdacht, bei manchen Menschen Kopfschmerzen, Übelkeit oder Durchfall auszulösen. Aber du kommst um die Konservierungsstoffe nur herum, wenn du gar nichts Verarbeitetes mehr isst!

14. Glutamat ist schlecht

Glutamat wird als Geschmacksverstärker eingesetzt und wird beschuldigt, krank zu machen und ungesund zu sein. Dies konnte allerdings wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden.  Das Bundesinstitut für Risikobewertung und die amerikanische Gesundheitsbehörde stufen es als sichere Lebensmittelzutat ein.

15. Fruchtsaft ist besser als Limo

Fruchtsaft enthält Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, aber auch viele Kalorien. Vergleicht man ihn mit einem Softgetränk, macht das kaum Unterschiede, nur dass die Kalorien einmal aus dem fruchteigenen Zucker und einmal aus der Zuckerrübe kommen. Besser sind Saftschorlen!

Wir hoffen, wir konnten dir etwas mehr Klarheit verschaffen und den ein oder anderen Mythos aufdecken.