Ist dir das auch schon mal passiert: Du bist im Yogakurs, sitzt in einem Meeting, in der Bahn oder beim Essen mit den Schwiegereltern und plötzlich merkst du, dass du pupsen musst. Unpassender könnte der Zeitpunkt dafür nicht sein. Pupsen in der Öffentlichkeit gilt oft als peinlich. Aber wieso eigentlich? Denn wir machen es ja alle. Und ist es wirklich so, dass pupsen unterdrücken ungesund ist?

Wer pupst? Und wie oft??

In der Regel pupsen Menschen ungefähr acht bis zehn Mal am Tag. Frauen und Männer pupsen übrigens gleich viel. Wenn es mehr als 20 Mal am Tag passiert und dazu auch noch übelriechend ist, sollte man vielleicht mal einen Arzt aufsuchen, aber dazu später mehr. Wir wollen ja erstmal wissen, woher das „pupsen müssen“ überhaupt kommt.

So entsteht ein Pups

Beim Pupsen wird man überschüssige Gase aus dem Körper los. Aber wo kommen die her? Der Großteil wird von einer besonders übermütigen Bakterien-Mannschaft im Darm produziert. Die Darmbakterien helfen uns bei der Verdauung: Sie stellen Werkzeuge bereit und ermöglichen dadurch die Aufnahme von Calcium, B-Vitaminen und anderen nützlichen Stoffen. Bakterien im Darm zu haben, ist also völlig normal und äußerst praktisch. Die Gesamtheit aller Bakterien im Darm nennt man übrigens Darmflora.

Als Nebenprodukt produzieren die Darmbakterien Gase. Manche mehr, manche weniger. Mit diesen Gasen kann der Körper nichts anfangen, sodass er sie am liebsten direkt durch einen Pups los wird. Aber warum muss man von manchem Essen mehr pupsen?

Man muss besonders von Nahrungsmitteln pupsen, die der Körper mit den eigenen Werkzeugen (Verdauungsenzymen) nicht klein kriegt. Je mehr Arbeit für die Darmbakterien bleibt, desto mehr muss man pupsen. Magen und Dünndarm enthalten zahlreiche Verdauungsenzyme, die Zucker, Eiweiße und Fette effizient aufspalten können. Besonders bei unverdaulichen Pflanzenfasern hört der Spaß aber bei vielen auf. Denn der Hauptbestandteil dieser pflanzlichen Produkte ist Zellulose, ein Mehrfachzucker. Wir besitzen kein Enzym, dass Zellulose abbauen kann. Deshalb nennt man Nahrungsmittel, die Zellulose enthalten, auch Ballaststoffe – sie kommen quasi unverdaut wieder heraus. Ballaststoffe quellen im Magen auf, da sie bis auf das 100fache ihres Eigengewichts an Wasser binden können. Das sorgt für ein langanhaltendes Sättigungsgefühl – aber auch für viele Pupse.

Andere Gase im Körper werden über das Blut abtransportiert oder ausgeatmet. Gäbe es diese Mechanismen nicht, würden wir womöglich irgendwann platzen 😉 Denn am Tag sammelt sich etwa ein Liter Gas im Körper an. Ob der Pups laut oder leise ist, geruchlos oder unangenehm riecht kommt dabei darauf an, was wir den Tag über gegessen haben.

Wenn du oft pupsen musst, kann das außerdem daran liegen, dass…

…du deine Ernährung plötzlich umgestellt hast, und deine Verdauung noch nicht darauf ausgelegt ist, so viele Pflanzenstoffe aufzunehmen.

…du deine Nahrung nicht gut zerkaust. So wird sie ebenfalls erst im Dickdarm von der fleißigen Bakterien-Mannschaft zersetzt.

…du Lebensmittelunverträglichkeiten oder Allergien hast.

.…du beim Essen viel redest, sodass besonders viel Luft über die Speiseröhre in deinen Verdauungstrakt gelangt. Auch diese Gase wollen wieder raus.

Natürlich können neben der Ernährung auch Krankheiten der Grund für übermäßige Blähungen sein. Solltest du auf längere Zeit also damit Probleme haben, ist das kein Grund zur Besorgnis, aber ein Besuch beim Arzt ist auf jeden Fall ratsam, um Schlimmeres auszuschließen. Zum einen können Stress oder Medikamente Ursache dafür sein, es können aber auch Krankheiten wie das Reizdarm-Syndrom, Morbus Crohn oder Diabetes mellitus dahinterstecken. Der Arzt kann dir aber dazu mehr sagen.

Ob ein Pups unangenehm riecht oder einfach geruchlos ist, kommt ganz auf die Gase an, die von den Bakterien in deinem Darm produziert werden. Hauptsächlich besteht ein Pups aus Kohlendioxid, Methan, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff. Diese Gase sind geruchlos und machen 99 Prozent deiner Pupse aus – 1 Prozent dieser Gase sorgt also für den teilweise unangenehmen Geruch. Schon wenige Spuren dieses Gases reichen aus.

Aus welchen Gasen sich deine Pupse zusammensetzen, hängt von zwei Faktoren ab: davon, was du den Tag über zu dir genommen hast und von der Zusammensetzung deiner individuellen Darmbakterien-Mannschaft. Verschiedene Bakterien produzieren eben verschieden riechende Gase.

Ist unterdrücken ungesund?

Generell bestehe hier kein gesundheitliches Risiko, da Menschen nicht platzen können. Blähungen kann man nur begrenzt anhalten, erklärt Dagmar Mainz, Sprecherin des Berufsverbands Niedergelassener Gastroenterologen. Es können aber natürlich Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Verdauungsstörungen auftreten. Ratsam ist deshalb, die Luft direkt rauszulassen, wenn es die Situation zulässt.

Tipps wie du Blähungen vermeidest

1. Stelle deine Ernährung nicht zu plötzlich um

Wenn du mehr Gemüse auf den Speiseplan setzen willst, geh es langsam an. Dann kann die Verdauung sich darauf einstellen.

2. Esse langsam und mit Genuss

Je schneller du dein Essen herunterschlingst, desto weniger zerkaust du und desto mehr Arbeit bleibt für die gasproduzierenden Bakterien. Außerdem gelangt dadurch auch mehr Luft in deinen Darm. Versuche deine Bissen ordentlich mit Speichel zu vermischen und zu zerkauen. Das macht außerdem länger satt. Viel Sprechen beim Essen kann das Pupsen ebenfalls begünstigen.

3. Vermeide Kaugummis und Bonbons

Vor allem wenn du auf leeren Magen Kaugummi kaust, kann das deine Gasproduktion verstärken. Es gelangt zudem wieder mehr Luft in deinen Darm.

4. Bleib in Bewegung

Sitzen und wenig frische Luft lassen deine Verdauung träge werden und unterstützen so die vermehrte Gasbildung. Nahrungsmittel bleiben länger im Darm und die Bakterien überlegen munter, was sie damit so anstellen können. Wenn du regelmäßig 30 Minuten Sport am Tag machst, kannst du dem entgegenwirken. Und du wirst dich einfach besser fühlen. Oft reicht es, nach dem Essen den berühmten Verdauungsspaziergang zu machen. Wenn du dich bisher nicht dazu motivieren konntest, solltest du mal FiTS testen.

5. Kümmel, Anis und Fenchel

Diese Gewürze helfen vor allem in Form von Tee, deinen Darm und Magen zu beruhigen. Am besten nimmst du sie ungezuckert zu dir.

Unnötiges Wissen

 Jetzt hast du auf jeden Fall einiges gelernt, wie ein Pups entsteht und wie du die Winde in deinem Körper beeinflussen kannst. Zum Abschluss geben wir dir noch etwas unnützes Wissen an die Hand, mit dem du vielleicht bei der nächsten Party beeindrucken kannst 😉

1. Kunstpupsen

Ja du hast richtig gelesen! Es gibt tatsächlich Leute, die durch Schließen und Öffnen der Pobacken die Tonhöhe beeinflussen können. Damit können dann richtige Melodien „gespielt“ werden. Um 1900 herum konnten Kunstfurzer sogar von ihrem Talent leben.

2. Fische pupsen auch

Heringe drücken Luft aus ihrer Schwimmblase, um sich im Schwarm untereinander zu verständigen. Das Geräusch kommt dem unseres Pups aber verdammt nahe.

3. Es gibt Menschen, die in „Pups“ wohnen

Denn Pups ist der Name eines Dorfes mit ganzen zehn Einwohnern im bayerischen Voralpenland.